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Schädel mit verheilter Trepanationswunde

 

Objekt: Schädel mit verheilter Trepanation
Epoche/Kultur: Neolithikum
Datierung: 2800 – 2200 v. Chr.
Fundort: Lauda-Königshofen, Main-Tauber-Kreis
Fundstelle: Wöllerspfad
Material: Knochen
Maße: Maße der Trepanationswunde: 4 x 2,5 cm
Literatur: M. Trautmann, Die schnurkeramischen Bestattungen von Lauda-Königshofen – Steinzeitliche Hirtennomaden im Taubertal? Fundberichte aus Baden-Württemberg 32/1, 2012, S. 265-476.
Foto: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Manuela Schreiner
Standort: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg Konstanz

Kommentar: Das schnurkeramische Gräberfeld im Gewann „Wöllerspfad“ in Lauda-Königshofen umfasst 69 Grabanlagen mit insgesamt 90 Individuen. Bei diesen handelt sich ausschließlich um Körpergräber in Hockerstellung, die dem von anderen schnurkeramischen Bestattungsplätzen bekannten Schema folgen. Wie bei anderen neolithischen Fundstellen, treten auch in Lauda-Königshofen ausschließlich bei männlichen Individuen chirurgische Öffnungen des Kopfes, sogenannte Trepanationen auf. So findet auch beim Schädel eines ca. 50-jährigen Mannes in Grab 47 Spuren dieser Behandlung. Der Eingriff erfolgte durch das Einkerben eines langovalen Areals in der Schädelkalotte mithilfe einer Silexklinge, so dass die stehengebliebene Knocheninsel herausgenommen werden konnte. Die weitgehend geschlossenen Wundränder deuten darauf hin, dass der Eingriff über Wochen oder sogar Monate überlebt wurde. Da keine Schädelverletzungen vorlagen, ist anzunehmen, dass der chirurgische Eingriff aus therapeutischen Gründen vorgenommen wurde. Wie seine ungewöhnlich hohe Körpergröße sowie sein unproportionierter Kiefer nahelegen, litt der Bestattete an der Wachstumsstörung Akromegalie, die in vielen Fällen durch einen Tumor verursacht wird.  Diese würde auch heute u.U. noch mit einer Trepanation, alternativ durch Bestrahlung und Chemotherapie behandelt werden.