Highlights ALM

Halbbüste eines Mannes

Objekt: Abguss eines Kalknegativs, Halbbüste eines Mannes
Epoche/Kultur: frühe Neuzeit
Datierung: 17. Jahrhundert
Fundort: Esslingen am Neckar
Fundstelle: St. Dionysius (Stadtkirche)
Material: Gips
Literatur: G. P. Fehring u.a., Die Stadtkirche St. Dionysius in Esslingen a. N. 3 Bde. Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 13 (Stuttgart 1995).
Foto: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Manuela Schreiner
Standort: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg

Kommentar: Bei Ausgrabungen im Inneren der heutigen Stadtkirche St. Dionys (Dionysius) in Esslingen am Neckar wurden zahlreiche Gräber, unter anderem 20 sog. Kalkbestattungen, entdeckt. Das Übergießen von Leichnamen mit ungelöschtem gebranntem Kalkpulver diente der schnelleren Verwesung des Körpers sowie der Desinfektion von an Seuchen gestorbenen Toten. Auch in der, durch einen Grabstein identifizierten Grablege der Familie de la Porte, an der Chornordwand , wurde der zuletzt Bestattete mit Kalk überzogen. Der etwa 50jährige Mann wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert bestattet. Der Körper ist vergangen, doch der fest gewordene Kalk bewahrte die Büste des Verstorbenen als Negativ.

 

Schädel mit Frontzahnbrücke

Objekt: Schädel mit Frontzahnbrücke
Epoche/Kultur: frühe Neuzeit
Datierung: 16./17. Jahrhundert
Fundort: Göppingen
Fundstelle: Oberhofenkirche
Material: Knochen, Elfenbein, Gold
Maße: B: 3 cm H: 10,7 mm, Stärke: 9 mm
Literatur: J. Wahl, Karies, Kampf und Schädelkult. 150 Jahre anthropologische Forschung in Südwestdeutschland. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 79 (Stuttgart 2007).
Foto: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Manuela Schreiner
Standort: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg Konstanz
Inventarnummer: 1980-0002-9000-0001

Kommentar: Die Anfertigung von Zahnprothesen aus medizinischen oder kosmetischen Gründen ist seit der Antike belegt. Dieser frühe Zahnersatz war normalerweise eine optische Verbesserung, richtiges Beißen und Kauen war kaum möglich. Anders gestaltet es sich bei einem Zahnersatz eines etwa 60-jährigen Mannes aus Göppingen aus dem 17. Jh., wie Abnutzungsspuren zeigen. Die aus einem Stück geschnitzte Frontzahnbrücke aus Flusspferdelfenbein, die mit Golddraht an den verbliebenen Eckzähnen befestigt war, unterschied sich kaum von echten Zähnen. Die Brücke diente als Ersatz für die oberen vier Schneidezähne und war eine Sonderanfertigung. Diese Tatsache und das kostbare Material deuten darauf hin, dass der Verstorbene vermutlich einer wohlhabenden Schicht angehörte und Zugang zum Fernhandel besaß.  Elfenbein war ein seltenes Material, das nur durch den Kolonialhandel von Afrika nach Europa gelangen konnte.