Zentrales Fundarchiv


Nutzungsverordnung

Verordnung

über die Benutzung des

Zentralen Fundarchivs des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg

 

 §1
Nutzung des archäologischen Archivguts

 

(1) Jedermann, der ein berechtigtes Interesse glaubhaft darlegt, hat nach Maßgabe der Benutzungsordnung das Recht, das archäologische Archivgut nach Ablauf der Sperrfristen zu nutzen.

(2) Vor der Bestellung von Archivgut zur Einsichtnahme ist einmalig für jedes Nutzungsvorhaben Folgendes anzugeben:

  1. Nutzungsvorhaben (Thema der Arbeit/Ausstellung) mit möglichst präziser zeitlicher und sachlicher Eingrenzung
  2. Name, Vorname und Anschrift des Nutzers
  3. Name, Vorname und Anschrift des Auftraggebers, wenn die Nutzung im Auftrag eines Dritten erfolgt
  4. Nutzungszweck
  5. Dauer des Nutzungsvorhabens

(3) Das Nutzungsvorhaben ist bei Bearbeitungen mindestens drei Monate, bei Ausleihen für Ausstellungen sechs Monate vor dem gewünschten Termin anzumelden. In begründeten Einzelfällen können die Fristen um bis zu zwei Monate verkürzt werden. 

 

§2

Sperrfristen

(1) Archäologisches Archivgut darf ohne Genehmigung des Ausgräbers bzw. der ausgrabenden Behörde/Institution nicht vor Ablauf von 30 Jahren seit Auffindung genutzt werden.

(2) Die Sperrfrist nach Absatz 1 gilt nicht für solche archäologischen Funde, die der Öffentlichkeit in Ausstellungen oder Printmedien zugänglich waren oder sind.

(3) Für die Nutzung von archäologischem Archivgut durch Behörden und sonstige Stellen des Landes oder Bundes, die es generiert oder abgegeben haben, gilt die in Absatz 1 genannte Sperrfrist nicht.

(4) Eine Verkürzung der Sperrfrist nach Absatz 1 ist nur zulässig, wenn die Nutzung zu wissenschaftlichen Zwecken oder zur Wahrnehmung sonstiger berechtigter Belange geboten oder unerlässlich ist.

(5) Eine Verkürzung der Sperrfristen ist vom Nutzer beim Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg schriftlich zu beantragen. Die Entscheidung über den Antrag trifft der Direktor im Einvernehmen mit Behörden und sonstigen Stellen des Landes, bei denen das archäologische Archivgut entstanden ist oder die es abgegeben haben.

 

 §3

Einschränkung, Versagung und Entzug des Rechts auf Nutzung

Das Zentrale Fundarchiv kann die Nutzung des Archivguts aus wichtigen Gründen einschränken oder versagen, insbesondere wenn

  1. Grund zu der Annahme besteht, dass schutzwürdige Belange Dritter entgegenstehen,
  2. der Erhaltungszustand des archäologischen Archivguts gefährdet würde
  3. ein unverhältnismäßiger Verwaltungsaufwand entstehen würde
  4. Vereinbarungen mit derzeitigen oder früheren Eigentümern entgegenstehen
  5. der Nutzer wiederholt oder schwerwiegend gegen diese Benutzungsordnung verstoßen oder ihm erteilte Auflagen nicht eingehalten hat
  6. der Erhaltungszustand oder der Ordnungszustand des Archivguts eine Nutzung nicht zulässt
  7. die archäologischen Archivalien aus dienstlichen Gründen oder wegen gleichzeitiger amtlicher oder anderweitiger Nutzung nicht verfügbar sind
  8. der Nutzungszweck anderweitig, insbesondere durch Einsichtnahme in Druckwerke oder in Reproduktionen, hinlänglich erreicht werden kann

oder

  1. der Nutzer Urheber- und Persönlichkeitsrechte sowie schutzwürdige Belange Dritter nicht beachtet.

 

§4

Nutzung des Archivguts in den Bearbeitungsräumen

 (1) Archäologisches Archivgut wird grundsätzlich in den Bearbeitungsräumen des Zentralen Fundarchivs zur Nutzung vorgelegt.

(2) Das vorgelegte Archivgut, die vorgelegten Kopien und sonstige Hilfsmittel sind mit aller Sorgfalt zu behandeln. Den Anweisungen des Personals für den Umgang mit dem Archivgut ist unbedingt Folge zu leisten. Insbesondere ist es nicht gestattet,

  1. den Ordnungszustand des Archivguts zu verändern,
  2. Bestandteile des archäologischen Archivguts wie z.B. Ergänzungen zu entfernen,
  3. Beschriftungen am Archivgut anzubringen, vorhandene zu verändern oder zu tilgen

oder

  1. dem Archivgut beiliegende Funddokumentation zu verändern oder von diesem zu trennen.

(3) Es ist dem Nutzer untersagt, Archivgut oder sonstige vorgelegte Unterlagen aus den Bearbeitungsräumen zu entfernen.

(4) Nach Abschluss der Nutzung muss das Archivgut ordnungsgemäß in die entsprechenden Behältnisse zurück verpackt werden. Dabei ist sorgfältig vorzugehen, so dass keine Schäden entstehen.

 

§5

Ausleihe von Archivgut

 (1) Auf die Ausleihe von Archivgut zur Einsichtnahme außerhalb der Bearbeitungsräume des Zentralen Fundarchivs besteht kein Anspruch. Die Ausleihe kann in begründeten Fällen zur Nutzung in Räumen von Denkmalbehörden, Landesmuseen, Universitäten oder sonstigen Stellen in der Bundesrepublik Deutschland erfolgen, sofern sich diese verpflichten, das Archivgut in den Diensträumen vorzulegen, es diebstahl- und feuersicher zu verwahren, keine Kopien anzufertigen und das Archivgut nach Ablauf der vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg bestimmten Ausleihfrist in der von diesem bestimmten Versendungsart zurückzusenden. Die in § 4, Absatz 2 und 4 genannten Regeln finden entsprechende Anwendung.

(2) Auf die Ausleihe von archäologischem Archivgut zu Ausstellungszwecken besteht kein Anspruch. Eine Ausleihe ist möglich, wenn gewährleistet ist, dass das ausgeliehene archäologische Archivgut wirksam vor Verlust, Beschädigung und unbefugter Nutzung geschützt wird und der Ausstellungszweck nicht durch Kopien oder Nachbildungen erreicht werden kann. Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg stellt die Sicherheit und Erhaltung des zu Ausstellungszwecken ausgeliehenen Archivguts sowie die Wahrung der betreffenden Urheberrechte durch die erforderlichen Auflagen in entsprechenden Leihverträgen bzw. Leihvereinbarungen sicher.

 

§6

Kopien und Fotografien von archäologischem Archivgut

(1) Kopien von archäologischem Archivgut werden im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten von den im Zentralen Fundarchiv bestehenden Werkstätten grundsätzlich selbst hergestellt. Sind diese dazu technisch oder aus Zeitgründen nicht in der Lage, dürfen Kopien in begründeten Ausnahmefällen mit Zustimmung der Direktion des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg bei einer von dieser benannten Stelle hergestellt werden, wenn sich der Nutzer verpflichtet, dem Zentralen Fundarchiv die Vervielfältigungsträger zu überlassen. Das Zentrale Fundarchiv kann außerdem verlangen, dass die Kopien unter seiner Aufsicht hergestellt werden, und es kann dem Auftraggeber die dadurch entstehenden Kosten in Rechnung stellen.

(2) Kopien dürfen nur mit Zustimmung der Direktion des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg, nur zu dem angegebenen Zweck und nur unter Angabe des Landesmuseums als verwahrende Behörde und der von dieser festgelegten Inventarnummer sowie unter Hinweis auf die dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg zustehenden Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte an Dritte weitergegeben werden. Ausgräber bzw. ausgrabende Institutionen, die betreffende Materialkomplexe zur Bearbeitung entleihen, sind hiervon ausgenommen und berechtigt, Fotografien der betreffenden Archivgüter anzufertigen.

(3) Kopien von Archivgut werden nur hergestellt, soweit dabei eine Gefährdung oder Schädigung des archäologischen Archivguts ausgeschlossen werden kann. Über die jeweils geeigneten Verfahren zur Herstellung von Kopien entscheidet das Zentrale Fundarchiv. Die Herstellung oder Abgabe von Kopien kann auch versagt oder eingeschränkt werden, wenn archäologisches Archivgut nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand kopiert werden kann.

(4) Das Fotografieren von archäologischem Archivgut für Publikationszwecke durch Nutzer ist grundsätzlich nicht erlaubt. In begründeten Ausnahmefällen erteilt die Direktion des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg eine schriftliche Genehmigung für das Anfertigen von Fotografien. Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg erhält eine Kopie des jeweiligen Fotos und darf dieses zu eigenen Zwecken verwenden.

(5) Fotos von archäologischem Archivgut im Auftrag Dritter werden im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten in den Werkstätten des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg grundsätzlich selbst erledigt.

 

 §7

Abgabe von Pflichtexemplaren

(1) Der Nutzer ist verpflichtet, von einem Druckwerk im Sinne von § 2 des Pflichtexemplargesetzes (PfliExplAblG BW), das er unter wesentlicher Verwendung von archäologischem Archivgut des Zentralen Fundarchivs verfasst oder erstellt hat, nach Erscheinen des Druckwerkes dem Zentralen Fundarchiv unaufgefordert ein Belegexemplar unentgeltlich abzuliefern.

(2) Ist dem Nutzer die unentgeltliche Ablieferung eines Belegexemplars insbesondere wegen der niedrigen Auflage oder der hohen Kosten des Druckwerkes nicht zumutbar, kann er dem Zentralen Fundarchiv ein PDF des Manuskripts ausschließlich zur eigenen Nutzung zukommen lassen.

(3) Die Absätze 1 bis 2 gelten entsprechend für Veröffentlichungen des Nutzers in Sammelwerken oder Zeitschriften sowie für Schriftwerke, die nicht veröffentlicht sind.

(4) Ohne Zustimmung des Nutzers dürfen nicht veröffentlichte Schriftwerke von dem Zentralen Fundarchiv nur zur Erschließung von archäologischem Archivgut verwendet werden; anderen Personen darf keine Einsicht in nicht veröffentlichte Schriftwerke gewährt werden.

(5) Absatz 4 findet keine Anwendung, wenn das Urheberrecht erloschen ist.

 

 §8

Gebühren

 Die Erhebung von Gebühren richtet sich nach dem Landesgebührengesetz (LGebG BW) in der jeweils geltenden Fassung.

 

§9

Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft. 

 

Konstanz, den 26. April 2017

Dr. Jörg Heiligmann

Direktor Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg