Räume

2. Obergeschoss

Eingerichet: im Tod

RAUM 301:
Zu den ganz seltenen Grabfunden, bei denen sich organische Materialien wie Holz, Leder und Textilien und Pflanzenreste erhalten haben, gehört das sogenannte „Sängergrab“ von Trossingen. Über die Jahrringanalyse (Dendrochronologie) der verarbeiteten Hölzer wissen wir, dass der in Grab 58 bestattete ca. 40 Jahre alte Mann im Jahr 580 gestorben ist. Für seine letzte Reise war der Reiter in Hemd, Hose und Mantel aus gelben und roten Woll- und Leinenstoffen gekleidet. Neben Schwert und Schild aus Erlenholz hatte er auch eine stattliche Lanze von 3,60 Länge bei sich. Diese ist komplett mit eiserner Spitze und dem Schaft aus Hasel erhalten geblieben. Erst durch diesen Fund weiß man, wie lang die Reiterlanzen der Alamannen wirklich waren.

Eingerichtet: im Leben

RAUM 302:
Die einzigartige Leier aus Grab 58 von Trossingen wurde wohl vom Gefolgschaftsherrn beim „Großen Gastmahl“ zum Vortrag von Heldenliedern gespielt. Die Möglichkeit große Feste zu feiern, war Teile des adeligen Lebensstils -wie er sich aus reich ausgestatteten Gräbern des Frühen Mittelalters erschließen lässt. Neben Glas- und Bronzegefäßen zählen hierzu auch die äußerst selten überlieferten Möbel: Tische, Betten und Stühle. Im Gegensatz zu den Männern mussten sich die Frauen anscheinend mit Hockern begnügen. Die weibliche Lebenswelt illustriert zudem Grab 168 von Neudingen mit Webrahmen und Backtrog.

Im Mittelalter zweierlei: Stadt und Land

RAUM 303:
Die Lebensbedingungen in mittelalterlichen Städten und Dörfern unterschieden sich wesentlich. Mehrgeschossige, den engen Platzverhältnissen angepasste Häuser mit Bohlenwänden, verglasten Fenstern, wohligwarmen Kachelöfen in der Stadt – schlecht beheizbare, zugige Bauernhäuser ohne Komfort auf dem Land.

Konstanz: Unter dem Pflaster ruht Geschichte

RAUM 304:
Die großartigen Entdeckungen der Stadtarchäologie Konstanz des letzten Jahrzehnts finden seit Mitte Juli 2009 langfristig Eingang in die Dauerausstellung des ALM. Im völlig neu konzipierten und gestalteten „Konstanzraum“ spannt sich der archäologische Bogen von den Pfahlbauten der Jungsteinzeit über die Zeugnisse der keltischen und römischen Stadtgeschichte bis in die Zeit des Konstanzer Konzils (1414-1418). Im Besonderen wird auch die Entwicklung des römischen Kastells von Konstanz präsentiert.

Ver- und Entsorgung in der mittelalterlichen Stadt - Aus Latrinen lernen

RAUM 305:
Latrinen waren in früheren Zeiten zugleich Toilette und Müllschlucker. Ihre Untersuchung erlaubt es, dem mittelalterlichen Stadtbürger auf den Tisch und in den Kochtopf zu schauen. Wir lernen seine fleischlichen Genüsse, Hirsebrei, Mus, allerlei Gewürz, Speis und Trank kennen. Entsorgte Gegenstände aus der vier Meter breiten Latrine hinter dem Konstanzer Haus zur Katz “erzählen“ hier vom alltäglichen Leben im Mittelalter.

Museumspädagogischer Raum

RAUM 306:
Hier finden die zahlreichen Aktionen für Kinder und Jugendliche statt.

Lebenslust und Lebenszeit

RAUM 307:
Archäologische Funde spiegeln vielerlei Aspekte des vergangenen städtischen Lebens. Einige davon sind in diesem Raum ausgestellt, allen voran das Spielzeug der Erwachsenen und Kinder. Das Turnier faszinierte offensichtlich nicht nur die erwachsenen Stadtbürger. Ihre Kinder ließen Reiterfigürchen aus Ton aufeinandertreffen; Tonpüppchen in detailgetreuer zeitgenössischer Frauentracht schauten dabei zu. Eine andere Art Vergnügen lässt die älteste Maske aus Südwestdeutschland lebendig werden: Ob sie für ein geistliches Spiel oder bereits für die Fasnacht bestimmt war, wissen wir aber nicht.

Mitten im Leben vom Tod umgeben

RAUM 308:
In der Pfarrkirche von Sulz kam ein unerwarteter Fund zum Vorschein: Die Gruft der Grafen von Sulz. Hier waren 17 Angehörige der Familie mit allen Zeichen ihrer Würde bestattet worden. Ein Rosenkranz und mehrere christliche Amulette zeigen, dass den Grafen Johann Ludwig II. letztlich nur eines bewegte: die tiefe Sorge um das eigene Seelenheil. Archäologische Funde illustrieren, dass er darin den Normalsterblichen glich. Pilgerzeichen, Anhänger mit Madonnendarstellungen, Kruzifixe und kleine Heiligenfiguren aus Ton erfreuten sich größter Beliebtheit.

Das unterirdische Stadtarchiv

RAUM 309:
Nach der Theorie nun die Praxis - in Raum 309 bestimmen Sie, wo gegraben und ein Türchen zur Vergangenheit geöffnet wird.