Zentrales Fundarchiv

Aufgaben & Geschichte

Zentrales Fundarchiv
Das Zentrale Fundarchiv des Archäologischen Landesmuseums ist seit 1999 im ehemaligen Festungslazarett in Rastatt untergebracht.
Aufgabe dieser Einrichtung ist es, archäologische Fundstücke aus ganz Baden-Württemberg aufzubewahren, durch Kataloge zu erschließen, konservatorisch sachgerecht zu lagern und sie der Öffentlichkeit sowie für Forschungszwecke zugänglich zu machen.
Nach Inbetriebnahme des Fundarchivs wurden über 60 im Land verteilt liegende Depots geleert und die dort aufbewahrten Bestände nach Rastatt überführt. Auch Funde aus aktuellen Grabungen werden – nach ihrer wissenschaftlichen Dokumentation – hier untergebracht.
Die Erfassung des Materials erfolgt EDV-gesteuert. So sind sämtliche, derzeit etwa 150.000 Kartongebinde aus rund 14.000 Fundstellen per Datenbank recherchierbar. 55.000 Einzelobjekte sind inventarisiert – d.h. Material, Fundtyp, Datierung, Erhaltungszustand sowie Maße, Gewicht und Versicherungswert wurden erfasst – und können konkret abgefragt werden.


Bestellung von Fundmaterial
Um Fundmaterial sichten, bearbeiten oder für eine Ausstellung auswählen zu können, muss eine entsprechende Anfrage an das Zentrale Fundarchiv gerichtet werden. Dabei sollten möglichst konkrete Angaben zu den gesuchten Objekten übermittelt werden.
Wichtige Eckdaten sind neben dem Fundort auch der Grabungsname sowie das Jahr des Grabungsbeginns. Mithilfe von Literaturangaben, Fundnummern oder Hinweisen zur Datierung der Objekte kann die Anzahl der in Frage kommenden Kisten meist weiter eingegrenzt werden.
Bei Vorbereitungen zu Ausstellungen sollte das Leihgesuch mit sechs Monaten Vorlaufzeit gestellt werden. Ein Termin zur Durchsicht von Kartons und Auswahl von Fundstücken in Rastatt ist ebenfalls einzukalkulieren. Das Material, das ausgestellt werden soll, wird dann von den Mitarbeitern des Zentralen Fundarchivs inventarisiert, restauriert/konserviert, beschriftet, fotografiert und ausleihfertig verpackt.


Geschichte des ehemaligen Festungslazaretts
Nach der Rheinkrise von 1841 beschloss die Bundesversammlung den Ausbau Rastatts zur Festungsstadt. Auf diese Weise sollte die oberrheinische Grenze des Deutschen Bundes gegen Frankreich gestärkt werden. 1842 wurde bereits mit den Arbeiten an der Festungsanlage begonnen. Das zugehörige Lazarett errichtete man zwischen 1848 und 1854. Militärischen Zwecken diente die Festung nur kurzzeitig 1849, zum Ende der Badischen Revolution. 1890 wurde sie dann aufgelöst und die Festungswerke wurden geschleift.
Im Ersten Weltkrieg nutzte man das erhaltene Lazarettgebäude als „Reservelazarett I“.
1934 richtete das Badische Innenministerium eine Pflegeanstalt unter der Leitung von Dr. Arthur Schreck im ehemaligen Festungslazarett ein, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen untergebracht wurden. Im September 1939 wurden die 579 Patienten kriegsbedingt nach Zwiefalten verlegt. Etwa 470 von ihnen fielen 1940 der Aktion T4, also der systematischen Vernichtung „unwerten Lebens“ zum Opfer. – 2013 wurden zwei Gedenktafeln zur Erinnerung an die Ermordung der Patienten am Gebäude angebracht.
Zwischen 1945 und 1951 diente das Haus als Durchgangslager für „displaced persons“, ab 1952 dann für Flüchtlinge und Heimatvertriebene.
Ab 1962 war die Zentrale Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge und Aussiedler im ehemaligen Lazarett untergebracht. Zwischen 1976 und 1984 wurden die Räumlichkeiten zur Unterbringung von Asylbewerbern, von 1989–2000 dann für Aus- und Übersiedler genutzt.
Ab 1998 wurde dann das Zentrale Fundarchiv eingerichtet, das 1999 eröffnet wurde.